Kirchengemeinde Barthelmesaurach
Männer auf dem Jakobsweg - in 4 Tagen von Mildach bis Nördlingen

Der Jakobsweg geht ja direkt durch unser Gemeindegebiet, deshalb war es schon länger ein Wunsch von Pfr. Ekkehard Aupperle mit anderen von Mildach loszulaufen und Erfahrungen auf diesem Weg zu machen. Nach einer Ankündigung im Sommer-Gemeindebrief meldeten sich erstaunlicherweise gleich 10 Männer und so ging es in den Morgenstunden des 23.Septembers los.
„Ich hatte keine Vorstellung, wie viel 100 km sein können, wenn man sie laufen muss“ - meinte einer. Er ist es gewohnt, als Handelsvertreter täglich hunderte von Kilometern zu fahren - aber zu Fuß und dann noch mit Gepäck: Die Schultern schmerzten, die Füße sowieso und Blasenpflaster waren gefragt. Und trotzdem empfand es keiner als pure Quälerei, sondern es stellte sich eher eine tiefe Befriedigung ein. Weil man von der Haustür loslief, spürte man schnell ein Abstand vom Alltag - „Mann“ musste nicht erst im Urlaub ankommen, er war schon unterwegs. Nicht lange fand man ein gemeinsames Tempo, das alle gut mitlaufen konnten, begleitet von 3 Hunden, die sicher ein Mehrfaches der Strecke zurücklegten. Pfr.Aupperle gab für jeden Tag ein Leitthema vor, das die Gespräche auf dem Weg ausfüllen sollte. Man unterhielt sich über das, was einen geprägt hat, was man heute noch davon für wichtig halte, was einen derzeit beschäftige und was man von der Zukunft erwarte: Der Jakobsweg als Gelegenheit, den eigenen Lebensweg nachzulaufen. Kapellen am Weg luden zu geistlichen Impulsen ein, manche Etappe wurde schweigend durchwandert. Ein ausgedehnter Mittagsschlaf auf einer Wiese erfrischte Geist und Glieder für die zweite Tageshälfte.
„Alles ergibt sich“ - ist ja das Motto der Jakobspilger, was sich auf dem Weg auch so erfahren ließ. Die Gruppe hatte zwar vorher bei Kirchengemeinden wegen Übernachtungsmöglichkeiten nachgefragt, war aber dann jedes mal über die Gastfreundschaft überrascht. So fuhr z.B. in Sausenhofen, am Fuße des Hahnenkamm, eine Kirchenvorsteherin die müden Wanderer noch schnell zu Schloss Spielberg, damit sie dort die eindrucksvolle Kunst von Ernst Steinacker bestaunen konnten. Dieselbe Dame schickte dann die Männerrunde noch mit einem kräftigen Frühstück zurück auf den Weg. Am Zielpunkt Nördlingen sollte unbedingt ein Stempel vom „Daniel“ ins Pilgerbuch. Um 17.00 Uhr schließt das Wahrzeichen des Ries, um 16.58 Uhr traf die Gruppe ein.
Fast euphorisch stieg man schließlich in den Zug, wollte untereinander noch Erlebtes austauschen - unmöglich, denn sobald die anderen Fahrgäste die Jakobsmuschel sahen, wollten sie wissen, wie das so ist, auf dem „Camino“; selbst der Schaffner verzögerte die Kontrolle und wollte sich Informationen geben lassen für eine Aktion, die er eigentlich schon lange vorhabe - klar, dass er dafür die Hunde umsonst mitfahren ließ.
Der Jakobsweg hatte jeden einzelnen beschenkt, manche erzählten, dass sogar der Arbeitsalltag verändert war, denn es sei leichter gefallen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden; auch eine Art Gotteserfahrung, selbst wenn keiner das so hoch hängen wollte. Zumindest konnte jeder die Einsicht des großen „Vorwanderers“, Hape Kerkeling, teilen: „Gott ist das eine Individuum, das sich unendlich öffnet, um alle zu befreien“ (Ich bin dann mal weg, S.344). Ein wahrhaft befreiendes Erlebnis! Eine Fortsetzung ist schon fest geplant.
Am Volkstrauertag wurde dann im Gottesdienst unter dem Stichwort „Männer auf dem Weg des Friedens“ davon berichtet.